Zum Terror von Paris und radikallinker Projektion

Der Hass auf die Freiheit
„Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“ – Der Wahlspruch der djihadistischen Mörder des Attentats in Madrid verdichtet sich wie kein anderer in den barbarischen Attentaten vom Freitag in Paris. Der IS bekannte sich nur einen Tag später zu der Tat mit 129 Toten und 352 Verletzen. Der Krieg gegen das „kreuzzüglerische“ Frankreich und die Deklaration von Paris als Zentrum der Unzucht und des Lasters entspringt der immanenten Todesapologie des Islamismus. Das Streben nach dem Tod, um im Paradies, al-Djennah, Erfüllung zu finden, wird aufrecht erhalten durch die permanente Triebentsagung und Lustfeindlichkeit als notwendiger Selbstgeißelung. Das Glücksversprechen der Moderne mit all ihren Widersprüchen, ihrer selbstbestimmten Sexualmoral und dem Ideal des freiheitlichen Individualismus war ein bewusst gewähltes Ziel des Islamischen Staats. Diejenigen, die sich am Freitag dem schönen Leben gewidmet haben, ein Konzert besuchten oder sich beim Fußball vergnügen wollten, galten den Djihadisten als wesensfremde Zersetzer.

Wahn und Projektion
Auch das Massaker im Bataclan wurde nicht willkürlich ausgewählt. In der Erklärung des IS wird ein Koranvers zitiert, der sich auf die Vertreibung des jüdischen Stamm der Banū n-Nadīr im Jahre 627 durch Mohammed bezieht. Das Theater veranstaltet regelmäßig proisraelische Veranstaltungen und stand schon längere Zeit im Fadenkreuz der antisemitischen BDS-Kampagne und islamistischer Palästinenser. Die Band Eagles of Death Metal, die am Freitag im Bataclan spielten, weigerte sich dem Druck des BDS-Movements nachzugeben und ließ sich auch nicht daran hindern, ein Konzert in Tel Aviv zu spielen, um ihre Solidarität mit Israel zum Ausdruck zu bringen. Der inhärente Antisemitismus des Massakers blieb von einer Vielzahl deutscher Medien unkommentiert. Damit reiht sich diese Missachtung gekonnt in die Berichterstattung vergangener islamischer Anschläge ein. Weder der antisemtische Kern des Attentats am 7. Januar 2015 in Paris noch der der Attentate vom 11. September waren den meisten deutschen Medien eine Silbe wert. Dabei wurde der koschere Supermarkt bewusst ausgesucht und auch Mohammed Atta betonte, dass New York das „Zentrum des Weltjudentums“ sei und die Mehrzahl der Arbeitenden im World Trade Center Juden wären. Der Antisemitismus als genuin moderne Weltanschauung verinnerlicht Antimodernismus und pathische Projektion. Als Krisenbewältigungsmodell konstituiert er sich durch sein universalistisches Feindbild und macht ihn gerade deshalb so attraktiv für den Islamismus. Das antisemitische Subjekt überträgt seinen Wahn auf ein konkretes Feindbild, welches als Kollektiv bekämpft werden soll. Alle als negativen deklarierten Erscheinungen der Moderne werden im Juden personifiziert, als Bedrohung für die islamische Weltgemeinschaft, die Ummah, wahrgenommen und – wie in Paris – bis zur Eliminierung verfolgt.

Bauchgefühl statt Kritik
Während sich der Großteil der bürgerlichen Gesellschaft in Symbolpolitik, PrayforParis-Hashtags und völkischem Rassismus verliert, reagiert die radikale Linke mit gewohntem Nicht-Verhalten oder ihrem notorischen Bauchgefühl. Auf die Gefahren rassistischer Projektion zu verweisen, vermag in Anbetracht der derzeitigen Ereignisse richtig zu sein. Rassisten instrumentalisieren die Morde für ihre Hetze, setzen alle Flüchtlinge mit Islamisten gleich und durchgeknallte Publizisten wie Matthias Mattussek reiben sich schon zufrieden die Hände.1
Die Ereignisse bleiben auch von …ums Ganze! nicht unkommentiert.Das Bündnis veröffentlichte im Zuge der Attentate ein 225-Wörter-Statement, in dem die Antinationalen kein einziges Wort über den Islamismus, seinen modernen Antimodernismus, dessen Gipfel und notwendige Konsequenz der Krieg gegen alles, was als westlich, individualistisch, freiheitlich erkannt wird, zu verlieren.2 An einer adäquaten Analyse des islamistischen und antisemitischen Terrors fehlt es gänzlich, das Phänomen des Islamismus wird entpolitisiert und als Fundamentalismus unter vielen bagatellisiert und verflacht. Das affekthafte Aneinandergereihe von Phrasen entspringt dem Willen, wenigstens auch noch was zum Thema gesagt zu haben. Dieser Irrsinn wird mit dem Zitat von Georg Seeßlen auf die Spitze getrieben: „[Denn] diese Weltordnung nimmt eine ungeheure Masse Menschen einfach nicht mehr mit. Neben hoffnungslosen Versinken in Drogen, Entertainment, Verblödung und Entkräftung im Überlebenskampf bieten sich nur die beiden Dinge als Identitätsrettung an, die objektiv so überflüssig werden, wie sich so manche Menschen subjektiv fühlen: Nationalismus und religiöser Fundamentalismus. Beides verlangt Menschenopfer, Blutbäder, Terrorakte, das Unbewohnbar-machen immer weiterer Zonen der Welt“ Die Suche nach Gründen solcher Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die die mörderischen Taten auf eine Identitätssuche bürgerlicher Subjekte herunterbricht, blendet aus, dass diese Attentate von ihrem Selbstzweck leben. Sie sind Ausdruck der Feindschaft gegenüber dem Leben, die dem Islamismus innewohnt. Die Opferung des Lebens, ideologisch die Ebnung des Weges ins Paradies, kann keine Suche nach Identität sein, ist doch ein toter Körper genau sein Gegenteil.

Dem Islamismus und seinem innewohnenden barbarischen Potential gilt es entgegenzutreten, um den Rückfall hinter die Errungenschaften der bürgerlichen Gesellschaft zu verhindern. Unsere Gedanken sind bei den Opfern von Paris, Beirut und Bagdad. Unsere Solidarität gilt auch denjenigen, die vor dem Terror des Islamismus und der Unterwerfung durch die Ummah flüchten und der Hoffnung auf ein besseres Leben treu bleiben.

Pour la vie! Pour la liberté!

  1. https://www.facebook.com/matthias.matussek/posts/10201010868671527 [zurück]
  2. https://www.facebook.com/umsganze/photos/a.154477004637221.39352.142183269199928/914791321939115/?type=3 [zurück]