Zerrspiegel des Ressentiments: Kulturrelativismus im Licht der aktuellen Situation im Mittleren Osten – Vortrag & Diskussion mit Andreas Benl

Als im September 2009 tausende iranischer Demonstranten die antisemitischen Hassparolen des Regimes auf dem sogenannten al-Quds-Tag in Teheran niederschrien, wurde dieses Ereignis im Westen kaum beachtet oder gar begrüßt. Anscheinend waren nicht nur die Herrscher der Islamischen Republik der Meinung, dass die Protestierenden aus der ihnen von Geschichte und Kultur zugedachten Rolle gefallen waren. Michel Foucault war der erste westliche Denker, der 1978/79 in seinen Reportagen aus dem Iran die „spirituelle Politik“ Khomeinis feierte. Er hatte jedoch in Vordenkern des Islamismus wie Said Qutb, Ali Schariati oder Jalal Al-e Ahmad seine orientalischen Pendants. Fast vier Jahrzehnte später ist die Islamische Republik im Westen vom Sehnsuchtsort zivilisationsmüder Intellektueller zum umworbenen ökonomischen und politischen Partner aufgestiegen. Im Mittleren Osten, der Region, der der politische Islam als „natürliche“ Lebensform zugeschrieben wurde, suchen die nicht islamistischen Kräfte dagegen verzweifelt nach Gegenstrategien zur zerstörerischen Expansion der Islamischen Republik und ihres feindlichen Zwillings Islamischer Staat. Eine qualifizierte Minderheit stellt angesichts der gemeinsamen Bedrohung Israels und seiner Nachbarn durch die Islamisten sogar den Antizionismus infrage. In dem Vortrag sollen die historischen Hintergründe und die möglichen Folgen dieser scheinbar paradoxen Situation dargelegt werden.

Andreas Benl ist im Mideast Freedom Forum Berlin aktiv und schreibt unter anderem zum Kulturrelativismus und zur Oppositionsbewegung im Iran.

Freitag, 19. Juni 2015, 19 Uhr, Uni Hannover, Raum F142

Eine Veranstaltung im Rahmen von Schall & Wahn – Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen