Gegen Rassismus und religiösen Fundamentalismus

gegen rassismus und religiösen fundamentalismus

Am 15. Oktober werden in Hannover, ob genehmigt oder nicht, Hooligans gegen Salafismus demonstrieren. Unter 15n.blogsport.de findet sich der Aufruf zu den Gegenaktionen. Wir stehen nicht unter diesem Aufruf, denn wir sind nicht mit ihm zufrieden.

Der Aufruf entpolitisiert das Phänomen des Islamismus. Er wird hier als konservativer Rückzug dargestellt, der sich in eine Reihe von religiösen Fundamentalismen reihe. Dabei ist der Islamismus ein politisches Phänomen, eine Ideologie, die zu bekämpfen ist. Der islamistische Antisemitismus hat weniger mit religiöser Ablehnung des Judentums zu tun als mit dem modernen Antisemitismus, der sich z.B. im Iran schon als eliminatorisch erweist. Politischer Islam ist keine antiquierte Weltanschauung, sondern eine moderne und muss auch entsprechend kritisiert werden.

Dem Protest der Hooligans wird der politische Hintergrund nicht abgenommen, sie würden bloß gegen „Muslime und Migrant_innen“ hetzen. Dabei stören sich die Hooligans tatsächlich an den Salafisten, allerdings nicht, weil sie ein ähnlich reaktionäres Weltbild besitzen, sondern weil diese der Nation schaden würden.
Wer dies den Hooligans abspricht, gerät in eine ähnliche Argumentation wie bürgerliche Politiker oder Journalisten. Nur die Gewalt der Hooligans wird kritisiert, das Anliegen nicht, denn es sei ja richtig, für die Nation einzustehen und die FDGO zu verteidigen. Zur Selbstlegitimation der eigenen Kritik wird den Feinden ihre Kritik einfach abgesprochen.

Der religiöse Fundamentalismus findet im Aufruf nur das Beispiel des IS im Irak, der auch erst mit der Bedrohung der Kurden in Syrien und im Irak im linken Mainstream Interesse findet. Islamismus existiert aber nicht nur dort. Auch in Deutschland gibt es Salafisten, die ihr reaktionäres Weltbild verbreiten. Der Iran ist bereits ein Staat, in dem der Islam als politische Ideologie sich institutionalisierte. Und das schon seit 35 Jahren.

Trotzdem unterstützen wir die Aktionen gegen die Hooligans. Kommt zahlreich nach Hannover und stellt euch gegen rechte Schläger sowie gegen den politischen Islam!


1 Antwort auf „Gegen Rassismus und religiösen Fundamentalismus“


  1. 1 Esra 12. November 2014 um 19:26 Uhr

    Der Iran ist bereits ein Staat, in dem der Islam als politische Ideologie sich institutionalisierte. Und das schon seit 35 Jahren.

    Ihr kritisiert, dass in dem 15n-Aufruf das Phänomen Islamismus nicht richtig gegriffen würde, fallt aber selbst in einen Duktus, in dem ihr den (sic!) Islam als politische Ideologie im Iran institutionalisiert seht. Was das Besondere am Iranischen Herrschaftssystem ist, erklärt ihr aber nicht. Ebenso: dann reflektiert doch mal das Verhältnis von Islamismus und Islam! Und analysiert, worauf es euch ankommt bei einer Kritik am Islamismus – sei er nun salafistischer Prägung oder eben wie im Iran eine Rahbar-Herrschaft Ali Chamene’is. Das gehört deutlich gemacht, weil unter der Kategorie des Islamismus unglaublich ausdifferenzierte und nur schwer subsumierbare Strömungen theologisch-politischer Doktrinen gelabelt werden.

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