Archiv für November 2014

Irgendjemand muss doch schuld sein? – über das Verhältnis von Antisemitismus und Kapitalismus

Am 01. Dezember veranstalten wir zusammen mit der Haskala-SB-Stelle des AStA der Uni Hannover eine Einführungsveranstaltung zu Antisemitismus und Kapitalismus. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im Raum V110, Schneiderberg 50.

Dieser Einführungsvortrag soll die grundlegenden Elemente des Antisemitismus begrifflich greifbar machen und den modernen Antisemitismus in seiner gesellschaftlichen Genese erklären.
Heutiger Antisemitismus ist, im Gegensatz zum vormodernen und traditionalem Antijudaismus, eine Weltanschauung, die den Anspruch besitzt die Welt verstehen und erklären zu können. Juden werden im Antisemitismus spezifische Eigenschaften zugeschrieben, die sie allein aufgrund ihres Jüdischseins besitzen würden. Demzufolge würden sie allerhand Böses im Schilde führen: von der Verantwortung für den „jüdischen Bolschewismus“ bis hin zum Kapitalismus oder der vermeintlichen „Versklavung der freien Völker“ ist so gut wie alles mit dabei. Doch was hat es mit der Diabolisierung von Juden auf sich? Warum werden Juden mit Geld, Zins, Kapital oder dem Kapitalismus an sich in Verbindung gebracht und dafür verantwortlich gemacht?
Anhand der Marx’schen Begriffe des Fetisch, der Ware, des Werts und der „abstrakten Arbeit“ soll erklärt werden, warum Antisemiten so seltsam ticken und was das alles mit den kapitalistischen Verhältnissen zu tun hat, in denen wir leben.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Haskala-SB-Stelle des AStA der Uni Hannover statt.

Mit zwei Vertreter*innen der Gruppe the future is unwritten aus Leipzig
http://www.unwritten-future.org/

Gegen Rassismus und religiösen Fundamentalismus

gegen rassismus und religiösen fundamentalismus

Am 15. Oktober werden in Hannover, ob genehmigt oder nicht, Hooligans gegen Salafismus demonstrieren. Unter 15n.blogsport.de findet sich der Aufruf zu den Gegenaktionen. Wir stehen nicht unter diesem Aufruf, denn wir sind nicht mit ihm zufrieden.

Der Aufruf entpolitisiert das Phänomen des Islamismus. Er wird hier als konservativer Rückzug dargestellt, der sich in eine Reihe von religiösen Fundamentalismen reihe. Dabei ist der Islamismus ein politisches Phänomen, eine Ideologie, die zu bekämpfen ist. Der islamistische Antisemitismus hat weniger mit religiöser Ablehnung des Judentums zu tun als mit dem modernen Antisemitismus, der sich z.B. im Iran schon als eliminatorisch erweist. Politischer Islam ist keine antiquierte Weltanschauung, sondern eine moderne und muss auch entsprechend kritisiert werden.

Dem Protest der Hooligans wird der politische Hintergrund nicht abgenommen, sie würden bloß gegen „Muslime und Migrant_innen“ hetzen. Dabei stören sich die Hooligans tatsächlich an den Salafisten, allerdings nicht, weil sie ein ähnlich reaktionäres Weltbild besitzen, sondern weil diese der Nation schaden würden.
Wer dies den Hooligans abspricht, gerät in eine ähnliche Argumentation wie bürgerliche Politiker oder Journalisten. Nur die Gewalt der Hooligans wird kritisiert, das Anliegen nicht, denn es sei ja richtig, für die Nation einzustehen und die FDGO zu verteidigen. Zur Selbstlegitimation der eigenen Kritik wird den Feinden ihre Kritik einfach abgesprochen.

Der religiöse Fundamentalismus findet im Aufruf nur das Beispiel des IS im Irak, der auch erst mit der Bedrohung der Kurden in Syrien und im Irak im linken Mainstream Interesse findet. Islamismus existiert aber nicht nur dort. Auch in Deutschland gibt es Salafisten, die ihr reaktionäres Weltbild verbreiten. Der Iran ist bereits ein Staat, in dem der Islam als politische Ideologie sich institutionalisierte. Und das schon seit 35 Jahren.

Trotzdem unterstützen wir die Aktionen gegen die Hooligans. Kommt zahlreich nach Hannover und stellt euch gegen rechte Schläger sowie gegen den politischen Islam!

No HoGeSa – Gegen Rassismus und Islamismus

Einen Aufruf des linken Bündnisses dagegen findet ihr unter 15n.blogsport.de. Mehr gibt’s in Kürze.