Archiv für Januar 2014

Nie wieder!

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee Auschwitz und beendete damit an diesem Ort die industrielle Vernichtung von 6 Millionen Juden und die Internierung und Ermordungen von Homosexuellen, Sinti und Roma, Kommunisten, Behinderten und anderen Unterdrückten und Entrechteten.
Unser Dank heißt primär Krieg den deutschen Zuständen. Nie wieder Deutschland.
IDF in Auschwitz
Unsere Konsequenz aus Auschwitz ist außerdem die bedingungslose Solidarität mit Israel, dem Schutzraum der Jüdinnen und Juden. Gegen jeden Antisemitismus. Für den Kommunismus.
In Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

Hier nicht willkommen. Veranstaltungsreihe gegen die rassistische Mobilmachung

Schien die rassistische Feuerstimmung in den 1990er Jahren der Öffentlichkeit noch als einmalige Tragödie, so ist sie in den letzten Jahren in Deutschland wieder deutlicher zu spüren. Rassistische Mobilmachung im Netz und auf der Straße gegen neue Asylsuchendenheime sind an der Tagesordnung. „Besorgte Bürger“, denen die aktuelle Asylpolitik noch nicht brutal genug ist, begehren auf und wagen den Brückenschlag zur extremen Rechten. Auch aus der Politik werden Stimmen lauter „Ängste der Bürger“ ernstzunehmen und das deutsche Sozialsystem vor „Asylmissbrauch“ und vor „Armutszuwanderern“ zu schützen – Ein alter Hut, denn die Asylpolitik der BRD bestand schon von jeher darin, dass über den Aufenthalt der Menschen nach ihrer ökonomischen Verwertbarkeit entschieden wird.
Wie verschränken sich rassistische und sozialchauvinistische Diskurse? Wie können Rassismus und Ausgrenzung im Allgemeinen sozialpsychologisch erklärt werden? Wie könnte eine Analyse der aktuellen rassistischen Stimmung und Gegenstrategien von links aussehen? Im Rahmen der Mobilisierung zu den Protesten gegen die Einheitsfeierlichkeiten im Herbst 2014 in Hannover wird sich die Veranstaltungsreihe mit diesen Fragen beschäftigen.

Eine Veranstaltungsreihe der SachbearbeiterInnenstellen Antirassismus & Antikapitalismus des AStA der Uni Hannover in Kooperation mit association [belle vie] und Fast Forward Hannover

Von Lampedusa nach Hellersdorf
Rassismus und Sozialchauvinismus als Folgen kapitalistischer Vergesellschaftung

Wirft man dieser Tage einen Blick in die Presse, könnte man zu dem Eindruck gelangen, dass sich die Geschichte wiederholt: wie Anfang der 90er Jahre fallen eine politische Diskussion um das Asylrecht mit mehr oder minder spontanen Ausbrüchen des „Volkszorns“ zusammen, in denen sich Bürger und/ oder Nazis vor Unterkünften von Geflüchteten versammeln und im Fackelschein „Wir sind das Volk“ skandieren. Tatsächlich kann aber von einer Wiederholung insofern nicht die Rede sein, als dass sich inzwischen nichts geändert hatte. Vielmehr ließe sich von einer Fortsetzung sprechen; einer Fortsetzung rassistischer Ressentiments innerhalb der Bevölkerung einerseits und einer Fortsetzung einer restriktiven Asylpolitik, die zwar heute vermehrt auf EU-Ebene verhandelt wird, ihren nationalen Bezug dabei aber keineswegs verloren hat. Denn letztlich sind es die nationalen Interessen der EU-Mitgliedstaaten, die mittels des Asylrechts vor „zu viel Zuwanderung“ geschützt werden sollen.
An der Stelle stimmen Bürgermob und Nazis in das Lied mit ein – nur, dass sie ihre nationalen Interessen durch den Staatsapparat eben nicht genug geschützt sehen und deswegen selbst auf die Straße gehen. Ihnen geht es aber dabei auch um „mehr“. Sie sorgen sich wenig um die wirtschaftliche Nützlichkeit der Geflüchteten und noch weniger um deren humanitäre Notlage, sondern in erster Linie um sich selbst. Kriminalität gehe von den Asylbewerbern und ihren Unterkünften aus, dass sei ja hinlänglich erwiesen, ihr Stadtteil leide darunter. Flankiert wird dieses Ressentiment von der Angst, in irgendeiner Form benachteiligt zu werden; Sozialleistungen und Arbeitsplätze sind knapp, da ist doch klar, dass die eigene Solidarität an der Grenze der Nation endet.
Offenbar treibt die hohe Politik etwas anderes um als den Volksmob auf der Straße. Offensichtlich ist beides aber Teil ein und desselben gesellschaftlichen Problems – zwei Seiten einer Medaille. Auf der Veranstaltung am 14.11. wollen wir eine Antwort auf die Frage geben, welches Problem das ist und wie es beide Seiten vermittelt, und diese Antwort zur Diskussion stellen. So viel sei vorab gesagt: beides wird befeuert durch Funktionen und Folgen einer kapitalistischen Ökonomie.
Die Gruppe Kritik & Intervention besteht seit 2010 in Bielefeld. Sie arbeitet gegen die wesentlichen Kategorien kapitalistischer Gesellschaften: dem Kapital, das seinen Zweck in der rastlosen Verwertung des Werts findet und die Menschen als sein Mittel in permanenter Konkurrenz zueinander aufreibt; sowie dem Staat, der dieses Kapitalverhältnis garantiert, um seinen Bestand in der internationalen Konkurrenz zu sichern; als auch Ideologien wie Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus oder Geschlecht, die sie als notwendig-falsche Bewusstseinsformen dieser realen Herrschaftsverhältnisse begreift. Sie richtet Workshops, Abendveranstaltungen oder Veranstaltungsreihen aus, um die Kritik an Staat und Kapital sowie die Kritik ihrer Bewusstseinsformen zu schärfen. Eine praktische Wendung findet diese Theoriearbeit in öffentlicher politischer Intervention. Die Gruppe Kritik & Intervention ist organisiert im kommunistischen Bündnis …umsGanze!
Montag, 24. Februar 2014, 20:00 Uhr, Universität, Raum V110 (Schneiderberg 50, 30167 Hannover)

Einfach nur stolz auf Deutschland?
Sozialpsychologische Überlegungen zu Patriotismus, Nationalismus, Rassismus

Nationalstolz und Patriotismus haben Aufwind in Deutschland. In diesem Punkt – häufig verbunden mit einem erleichtert oder trotzig vorgetragenen „…endlich wieder“ – sind sich viele Kommentatoren mit Stammtischdiskutanten einig. Empirische Untersuchungen zum selben Thema unterstreichen ebenfalls die aktuelle Tendenz eines zunehmend positiven Bezugs zur eigenen Nation in Deutschland. Dabei wird regelmäßig populär und manchmal wissenschaftlich zwischen schlechtem Nationalismus und gutem Patriotismus geschieden.
Dieser Vortrag beleuchtet aus sozialpsychologischer Perspektive, wie haltbar solche klaren Trennungen tatsächlich sind und ob es bei der aktuellen nationalen Rückbesinnung evtl. Verbindungslinien zu alten biologistisch argumentierenden Ausgrenzungsideologien gibt.
Jens Ihnen, Sozialpsychologe (M.A.), promoviert an der Leibniz Universität Hannover zum Thema „Vorurteil, Gewalt und pathische Identität – Theoretische und empirische Nachweise zum Zusammenhang zwischen kollektiven Identitätsvorstellung, Ausgrenzung und Feindbildung“. Er ist als Selbstständiger sozialpsychologischer Berater tätig und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie.

Mittwoch 26. Februar 2014, 20:00 Uhr, UJZ Korn (Kornstrasse 28-32, 30167 Hannover)

La France aux Français!
Rassistische Bewegungen in Europa am Beispiel Frankreichs

Ob Pogrome gegen Sinti und Roma in Ungarn, faschistische Morde in Griechenland oder Erfolge von rechten Parteien in den Niederlanden: im Zustand der Krise gewinnen rechte und rassistische Positionen in Europa zunehmend an Zulauf. Repräsentativ für diese Entwicklungen sind die Prozesse, die derzeit in Frankreich stattfinden: der Front National, eine Partei, einzuordnen zwischen Rechtskonservativismus und Neofaschismus, hat einen Aufwärtstrend und wird als stärkste Partei für die Europawahl gehandelt. Der FN versammelt das rechte Spektrum Frankreichs, stachelt rassistische Stimmung und nationalistische Krisenbewältigungsstrategien an und treibt die bürgerlichen Parteien vor sich her. Mit diesem Vorgang und den rassistischen Tendenzen in Europa allgemein wird sich unser Referent Bernhard Schmid beschäftigen.
Dr. Bernhard Schmid, 1971 geboren, ist ein in Paris lebender Jurist. Er arbeitet bei einer antirassistischen Organisation, nebenberuflich publiziert er viel zu den Themengebieten Rassismus und extreme Rechte in Frankreich und Europa und französischer (Neo-)Kolonialismus in Algerien.
Dienstag 4. März 2014, 19:00 Uhr, Pavillon, Kleiner Saal (Lister Meile 4, 30161 Hannover)

refugees welcome
Linke Analyse der rassistischen Bürgerbewegungen und Strategien dagegen

In Deutschland protestieren seit letztem Jahr an vielen Orten sogenannten Bürgerinitiativen gegen den Neubau von Unterkünften für Asylbewerber*innen. Ins Leben gerufen werden diese Initiativen meist von der NPD, doch die Menschen vor Ort sind nur zu gerne bereit mitzumachen. So kam es im letzten Jahr zu einer neuen Qualität rassistischer Proteste in Deutschland. Den Anfang machte der Protest gegen eine neue Unterkunft in Berlin-Hellersdorf, der vorläufige Höhepunkt war eine NPD-Demonstration in Schneeberg zu der 2000 Bürger*innen und Nazis kamen.
Wir wollen gerne mit zwei in die Aktivitäten rund um Berlin-Hellersdorf involvierten Gruppen über die Ereignisse diskutieren. Vielleicht lässt sich so das Phänomen besser verstehen und
Strategien dagegen finden.
Auf dem Podium sitzen Vertreter*innen von TOP B3RLIN und Avanti Berlin.
TOB B3RLIN – waren bei der Mahnwache zum Schutz der Asylbewerber*innenunterkunft in Berlin -Hellersdorf und beim Flüchtlingscamp am Oranienplatz aktiv. Sonst sind sie noch beim „…umsGanze!“-Bündnis organisiert und geben die Zeitung „Straßen aus Zucker“ heraus.
Avanti Berlin – waren ebenfalls bei den Gegenaktivitäten in Berli- Hellersdorf aktiv und haben vor kurzem einen Artikel im Antifaschistischen Infoblatt zum Thema veröffentlicht. Bundesweit sind sie in der „interventionistischen Linken“ organisiert.
Montag 10.März 2014, 19:00 Uhr, Faust Warenannahme (Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover)

Der ehrbare Antisemit

Sie nennen ihn ehrbar, sie schützen ihn. Als Jakob Augstein, seines Zeichens Spiegel Online-Schreiberling und Der Freitag-Eigentümer, für seine antisemitischen Ausfälle auf Platz 9 der „Top 10 der antisemitischen Verunglimpfungen“ des Simon-Wiesenthal-Centers landete, war die Empörung in Deutschland groß – die Medienlandschaft stellte sich schützend vor den Verunglimpften. Das ist nichts Neues für Deutschland. Augstein bediente in seiner Kolumne „Im Zweifel links“ beliebte antiisraelische und dabei antisemitische Muster und Topoi.
Ehrbarer Antisemit
So setzte er beispielsweise wiederholt den Nationalsozialismus mit Israel und dem Palästinenserkonflikt gleich und vermutete eine übermächtige israelische Lobby hinter der Politik. Damit ist er zurecht auf der Liste des Wiesenthal-Centers gelandet. Für einen Deutschen aber, der sich empört gegen die Umstände in Israel wehrt und gegen die Übermacht der Juden, der lässt sich sicher nicht von einer jüdischen Menschenrechtsorganisation vorschreiben, wer Antisemit ist und wer nicht, das will er selbst entscheiden.
Und dieses deutsche Publikum in seiner bürgerlichsten Erscheinungsform tritt als Befürworter Augsteins auf. Es gibt sich links, empfindet diffusen Zorn auf „die da oben“, die die Fäden ziehen und denkt, mit der Abschaffung des Geldes und der Banken könne es mit der Welt nur noch aufwärts gehen. Und natürlich hat dieses Publikum kein Problem mit dem antisemitischen Background, für sie ist Augstein ein Tabubrecher, einer, der sagt, „was gesagt werden muss“, obwohl es jeder sagt und es keine Tabus mehr gibt. Außerdem zählt die sogenannte „Israelkritik“ zur Lieblingsdisziplin dieser linksdeutschen Reaktionäre, die natürlich niemals antisemitisch sei. Und mit diesem Publikum im Rücken kommt Augstein zu der Überzeugung, Demokratie und Kapitalismus sei ein Widerspruch, der „Finanzkapitalismus“ sei abzuschaffen, die raffgierigen Banker seien die Ursache für die erheblichen ökonomischen Probleme in der Welt.
Damit gibt er sich wieder seinen antisemitischen Wahnvorstellungen hin, diesmal in Form eines strukturellen Antisemitismus. Durch seine Verbalradikalität und seine einfachen Gedankengänge ist er beliebt, seinen Wahn teilen viele. Viele, die vor der komplexen postindustrialisierten Welt stehen und nichts mehr verstehen. Die eine Projektionsfläche für die Krisen und Katastrophen dieser Welt brauchen. Das sind dann die Juden oder die Zionisten, die Banker oder die Spekulanten. Damit kann dann das Abstrakte personifiziert werden.
Diesen Wahn gilt es zu bekämpfen, ihm keine Bühne zu bieten, mit Ratio und Verstand entgegenzuhalten. Und im Zweifel mit der bewaffneten Schutzmacht der Juden zu stehen, für eine Welt ohne Antisemitismus.
Jakob Augstein und seinen Anhängern eine Absage erteilen!

Am 27. Januar 2014 ab 19 Uhr im 14. Stock des Conti-Hochhauses am Königsworther Platz.
Die Aktionen gegen die Lesung von Jakob Augstein veranstalten wir zusammen mit dem Jugendforum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Hier der offizielle Blog: www.imzweifelantisemit.tk

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