Archiv für November 2013

Refugees Welcome!

Refugees Welcome
Solidarität mit Geflüchteten!
Diese Aktion ist übrigens nicht von der SDAJ.

AUF DASS SICH AUSCHWITZ NIE WIEDERHOLE

Vor genau 75 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, brannten im ganzen Deutschen Reich die Synagogen. Dies war der Auftakt zum schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, dem industriellen Massenmord an den Juden, der Shoah, der letztendlich über sechs Millionen Juden aus ganz Europa zum Opfer fielen. Diese Jahre der Barbarei wurden eingeleitet durch die Reichspogromnacht, in der der deutsche Mob – aufgehetzt durch die Nazioberen – auf den Straßen tobte und seine hässliche Fratze offenbarte.
Wir gedenken allen Opfern der deutschen Schreckensherrschaft, allen voran den Jüdinnen und Juden.
Wir mahnen an, dass sich so etwas niemals wiederhole.
Wir ziehen Konsequenzen aus dieser Zeit,
wir sagen:
Nie wieder Deutschland, nie wieder Auschwitz.
Wir ziehen auch die Notwendigkeit eines Schutzraums vor Antisemitismus aus der Shoah, der sich in Israel darstellt.
Wir sagen:
Solidarität mit Israel.

Frei.Wild-Konzert absagen!

Anti-Frei.Wild-Plakate

REAL FREEDOM

Zum Widerspruch von Freiheit und Nation

Am 29.11.2013 wird die Band Frei.Wild wieder einmal in Hannover ein Konzert geben. Dieses Mal wird es im Capitol stattfinden. Die Deutschrocker aus Südtirol, Italien, betonen mit ihrem Namen ihren Anspruch, „frei“ und „wild“ zu sein. Laut Eigenaussage des Frontmanns Philipp Burgers fand die Gruppe die „Adjektive ‚Frei‘ und eben auch ‚Wild‘ geil […] und auch typisch für jugendliche Einstellungen“1.
Frei.Wild machen eintönigen Deutschrock in Tradition zu Bands wie den Böhsen Onkelz. Simple Liedstrukturen und einfache Texte begeistern hauptsächlich männliche Jugendliche, die sich im biergetränkten, schweißgebadeten Sog des kollektiven Gruppenwahns und nationalen Zusammengehörigkeitsgefühl wohl fühlen.

Scheiß Frei.Wild

Trotz (oder vielleicht: wegen) des offensichtlichen völkischem Nationalismus, der sich in Zeilen wie „Wir haben immer gesagt, dass wir das Land hier von Herzen lieben.“2 oder „Kurz gesagt, ich dulde keine Kritik an diesem heiligen Land, das unsre Heimat ist.“3 äußert und der sogar in Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus umschlägt, wie in solchen Textstellen: „Sie richten über Menschen, ganze Völker sollen sich hassen, nur um Geschichte, die noch Kohle bringt, ja nicht ruhen zu lassen.“4, schafft es Frei.Wild, sich eine große Fanbasis zu erspielen und tritt in großen Hallen im deutschsprachigen Raum auf. Außerdem erinnern ihre Aussagen über die sogenannten „Gutmenschen“ und das Gerede von einer gleichgeschalteten Presse an rechte Verschwörungstheorien.
Auch der von Frei.Wild geäußerte Anspruch, „unpolitisch“ zu sein, ist eine hohle Farce. Denn der propagierte Nationalismus ist selbstverständlich hochpolitisch, genau so wie ihre Aussagen zu Überfremdung oder Ähnlichem.
Doch die Band wehrt sich gegen alle ihnen gemachte Vorwürfe, rechts zu sein und tut ihre Heimatliebe als selbstverständlich ab. Als Verweis auf ihr Engagement gegen rechts wird neben Merchandiseartikeln mit dem Aufdruck „Frei.Wild-Fans gegen jeden Extremismus“ und „Nazis Raus!“-Rufen während der Konzerte der „positive Patriotismus“ reingewaschen und in einen demokratischen Kontext gehoben. Dabei lässt Frei.Wild aber auch nicht aus, gegen Linke und „Linksextremisten“ zu hetzen, die ähnlich schlimm seien wie sogenannte „Rechtsextremisten“, was blanker Hohn ist angesichts zum Beispiel der Nazimordserie des NSU.
Frei.Wild und ihre Fans merken bei ihrer Trunkenheit von Heimat und ihrem nationalen Taumeln nicht, dass sie sich allein schon mit der positiven Bezugnahme auf das Konstrukt „Nation“ jeglichem Freiheitsanspruch entziehen. Nationalismus ist immer ausschließend. Er braucht neben den Mitgliedern der Gemeinschaft auch Nichtmitglieder, diese werden ausgeschlossen, denn Gruppen konstituieren sich am besten durch gemeinsame Feinde. So steht dem Weg zu einer befreiten Gesellschaft stets die Überwindung des Nationalismus zuvor. Frei.Wild mögen frei in ihrer Größe des Unsinns sein, den sie ablassen, aber wirkliche Freiheit wird nicht propagiert. Das nationale Konstrukt und die Volksgemeinschaft, in die sich selbige einordnen möchten, ist ein Macht- und Herrschaftsinstrument, welches im Gegensatz zum Konzept der Freiheit steht. Das nationale Kollektiv unterdrückt das Individuum, schaltet es mit seinen persönlichen Bedürfnissen und Eigenschaften gleich und reduziert es auf seine völkisch definierte Zugehörigkeit zur Nation.
Erschreckend ist es nicht nur, dass Frei.Wild einen so hohen gesellschaftlichen Rückhalt genießen und selbst in städtischen großen Hallen spielen können, sondern, dass Frei.Wild es jetzt auch ins Capitol Hannover geschafft haben. Das ist insofern ein Angriff auf alternatives und linkes Leben, als dass das Capitol mit seiner geographischen Lage im Stadtteil Linden, als auch mit den bisherigen aufgetretenen Künstlern immer noch, trotz seines kommerziellen Charakters, einen kulturellen Schwerpunkt in Hannover setzt. Es ist also auch ein Angriff auf das plurale und weltoffene Linden und auf alternative Quartiere allgemein.
Die Rechtfertigung, die Capitol-Geschäftsführer Lohmann gegenüber der HAZ äußerte, er habe von Stadt, Polizei und Verfassungsschutz erfahren „dass dort nichts Unrechtes zu befürchten sei. Wenn wir ein anderes Gefühl hätten, würden wir unsere Räumlichkeiten nicht vermieten.“5 ist bezeichnend für das Herunterspielen des Problems. Die Aussage, „dort geschehe nichts Unrechtes“, ist im wörtlichen Sinne richtig. Frei.Wilds Nationalismus, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus sind natürlich rechts. Aber wenn man die Aussage auf ihren Kontext herunterbricht, dem Maßstab der bürgerlichen Rechtsprechung, mag das richtig sein, aber keine Ausrede dafür, Nationalismus eine Bühne zu bieten. Auch wenn Frei.Wild keine Straftaten begehen werden, ist dieser Auftritt grundsätzlich abzulehnen, abzusagen, zu verhindern.

Für wirkliche Freiheit – pour la belle vie! Für etwas Besseres als die Nation.
Das Frei.Wild Konzert absagen! Frei.Wild das Geweih brechen.

association [belle vie] hannover, November 2013.

  1. http://​www.​punkrocknews.​de/​interviews/​9/​frei-wild/​, 29.​10.​2013 [zurück]
  2. Frei.​Wild – Das Land der Voll­idio­ten (Hart am Wind, 2009) [zurück]
  3. Frei.​Wild – Süd­ti­rol (Hart am Wind, 2009) [zurück]
  4. Frei.​Wild – Gu­te­men­schen und Mo­ralapos­tel (Fein­de dei­ner Fein­de, 2012) [zurück]
  5. http://www.haz.de/Hannover/Aus-den-Stadtteilen/West/Frei.Wild-Konzert-in-Hannover-geraet-in-die-Kritik, 29.10.2013 [zurück]